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 „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“                                                                                                          Micha 5,1  

Liebe Geschwister und Freunde!

Der Prophet Micha wirkte unter den Königen Jotham, Ahas und Hiskia, also von etwa

 735-700 vor Christus. Er war ein Zeitgenosse des Propheten Jesaja, der ebenfalls zahlreiche und wesentliche Dinge über den kommenden Gottesknecht, den Messias, geweissagt hatte. Was sagt Micha von unserem Herrn Jesus? Er weist zunächst auf Bethlehem als den Ort, an dem der König in Israel erscheinen soll. Dann aber identifiziert er den König als einen solchen, der ganz offensichtlich über der Zeit steht. Schließlich beschreibt er das Werk dieses Königs.

Bethlehem war die Stadt, aus der David stammte. David war der Stammvater des jüdischen Königshauses und seine Nachkommen regierten in Jerusalem. Auch die drei Könige, unter denen Micha sein Amt versah, Jotham, Ahas und Hiskia, waren Nachkommen Davids. Aber weil die jüdischen Könige sich von Gott abwandten, von Ausnahmen abgesehen, wurde Israel seiner Souveränität beraubt und das Königshaus Davids entmachtet. Auch dieses hatte Micha zusammen mit anderen Propheten angekündigt, und so kam es auch. Etwas mehr als hundert Jahre später, wurde Israel, das damalige jüdische Südreich, von den Babyloniern in die Gefangenschaft geführt. Doch Micha sprach mit Blick auf die nationale Katastrophe des Volkes Israel auch von dem Heil, das Gott schaffen würde. In diesem Zusammenhang verkündet er, dass der Retter des Gottesvolkes aus Bethlehem kommen und was er tun würde. So ist der kommende Herrscher ein Spross des entmachteten Hauses Davids.

Tatsächlich wurde der besagte König der Juden in Bethlehem geboren, wie uns die Bibel berichtet. Diese Verheißung Michas erfüllte sich bei der Geburt Jesu. Matthäus erwähnt, dass drei Magier aus dem Osten nach Jerusalem kamen, um den neugeborenen König der Juden zu sehen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wiesen sie aufgrund dieser Stelle nach Bethlehem: „… sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten“ (Mt 2, 5). Auf den Feldern von Bethlehem wurde den Viehhirten die Geburt Jesu bekanntgemacht, wie Lukas in der Geschichte von der Geburt Jesu berichtet.

Zwei Dinge wollen wir in diesem Zusammenhang beachten: 1. Nicht zuletzt wird aus dieser Prophetie deutlich, dass der kommende Herrscher menschliche Vorfahren hat, eben das Geschlecht Davids. Mehrfach nimmt auch der Apostel Paulus darauf Bezug, dass Jesus geboren ist „aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch“ (Röm 1, 3). Das bedeutet, dass Jesus nicht nur der rechtmäßige Erbe des Thrones Davids ist, sondern auch dass er als solcher auch ein wahrhaftiger Mensch ist. Als wahrer Mensch ist er unser Stellvertreter. 2. Es ist ein Kennzeichen der biblischen Offenbarung, dass Gott sein Handeln ankündigt und das Angekündigte später – oft Jahrhunderte später – in die Tat umsetzt. Wir erkennen an diesem Geschehen die Treue Gottes zu seinem Wort, und das Zueinander von Verheißung und Erfüllung ist ein starker Erweis für die Wahrheit dessen, was die Bibel insgesamt sagt.

Bei seinem wirklichen Menschsein ist Jesus zugleich ewiger Gott. Micha sagt von ihm: „… dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“ Was ist damit gemeint? Betrachten wir Joh 1,1-2, dort lesen wir: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott.“

Nichts anderes sagt Micha und macht damit deutlich, dass der kommende Herrscher von Gott kommen würde. Man spricht hier von der sogenannten Präexistenz Jesu, seiner Existenz vor seiner Geburt. „Dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“ heißt denn, dass Jesus in der vorweltlichen Ewigkeit bereits da war, und dass er von Gott, dem Vater, ausgegangen ist.

Dass ein Mensch schon vor seiner Zeugung war, ist das Besondere an unserem Herrn Jesus. Nur unter diesem Blickwinkel kann Johannes von der Fleischwerdung sprechen. Das ist denn auch das große Geheimnis, das uns in dem Kind von Bethlehem begegnet: dass in ihm Gott selbst in die Welt kommt. In ihm gibt Gott sich selbst. Deswegen weissagt Jesaja, dass der Name dieses kommenden Herrschers „Immanuel“ sei, was ja bedeutet: Gott mit uns (Jes 7,14). Die Bibel macht uns aber auch sehr deutlich: Er ist Gott von Ewigkeit. Gerade die Tatsache, dass Jesus durch die Jungfrau Maria geboren wurde, macht offenbar, dass hinter ihm eine nichtmenschliche Wirklichkeit steht, eben Gott, der Vater, durch Gott, den Heiligen Geist.

Derselbe, durch den die Welt geschaffen wurde, liegt nun in der Krippe von Bethlehem. Hier, an diesem Ort in der damaligen römischen Provinz Judäa, hat Gott die Mauer zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt in entscheidender Weise durchbrochen. Hier war die Tür, durch die Gott in seinem Sohn in die Welt eintrat. Hier hat Gott die Rettung der Welt eingeläutet. Hier können wir den Erlöser finden. In seinem wirklichen Gott-Sein gründet seine Fähigkeit, eine wirklich vollgültige Erlösung zu bewirken und für uns Gottes Gerechtigkeit zu sein. Darin gründen schließlich auch sein Recht zur Herrschaft, seine Einzigartigkeit und sein Absolutheitsanspruch.

Diese Herrschaft hat Jesus mit seiner Himmelfahrt angetreten. Seit Pfingsten übt er sie aus durch den Heiligen Geist. Seine Herrschaft ist also nicht äußerlich sichtbar, wie die des Königs David in Jerusalem. Sie geschieht vielmehr durch das Evangelium, durch die Vergebung der Sünden, die dem Menschen durch den Glauben zu Teil wird, denn sie ist geistlich und sie währt in Ewigkeit. In Mi 5,2 spricht der Prophet von dem „Rest seiner Brüder“, die unter der Herrschaft Christi „wiederkommen zu den Söhnen Israel.“ Hier öffnet sich der alttestamentliche Horizont. Die Herrschaft Christi wird weltweit sein. Jesaja sagt: „Und er wird ein Zeichen aufrichten unter den Völkern und zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde“ (Jes 11, 12). Das heißt, dass das Volk Israel wieder gesammelt wird und unser Herr Jesus Christus einer von ihnen sein wird.

Christus hat das Gesetz vom Sinai, das Israel ja in besonderer Weise band und von der übrigen Welt abgrenzte, erfüllt. Die Ordnung vom Sinai ist in ihm zu ihrem Ende gekommen. Heiden stehen nicht mehr in Opposition zu Israel. Heiden werden nicht mehr ausgegrenzt von der Gottesherrschaft, sondern Juden und Heiden werden durch den Glauben an Christus zu einer Gemeinde zusammengebracht.

Die Feindschaft zwischen Israel und den Heiden wird abgetan, weil Christus zwischen beiden Frieden macht. Darauf nehmen die Apostel Paulus und Petrus in ihren Briefen Bezug (Eph 2, 11-22; 1.Petr 2,9+10). So sollen auch Nichtjuden durch den Glauben an Christus zum Gottesvolk gehören. Christus schafft unter seiner Herrschaft ein Volk, in dem Versöhnung herrscht, in dem Frieden ist, weil er selbst diesen Frieden gibt. Wo immer also Menschen zu Christus kommen, indem sie das Wort der Apostel und Propheten annehmen, dort ist das rechte Gottesvolk. Das aber sind auch wir, die Gemeinde aus Juden und Heiden.

Nur derjenige, der an Jesus Christus glaubt, ist ein rechtmäßiges Glied der Gemeinde Jesu, und die rechte Gemeinde Jesu ist nur dort, wo Gottes Wort als Gesetz und Evangelium rein verkündigt wird. Dort aber, wo diese Verkündigung und rechter Glaube an Christus Platz finden, dort haben wir es zweifelsfrei mit dem Reich Gottes zu tun.

Dort sind diejenigen zu finden, die an dem Frieden und der Sicherheit in der neuen Schöpfung teilhaben werden. Wir wollen in der Adventszeit zurückschauen auf das Kommen Christi und erkennen: Seine Herrschaft hat angefangen. Sie ist zwar verborgen, aber sie wird sichtbar offenbar werden in der Wiederkunft Christi und in seinem Gericht. Bis dahin hält er auch die Fäden der Weltgeschichte in seiner Hand. Wir sehen darüber hinaus, dass Gott in Christus das Heil für die Welt geschaffen hat.

Er ist der Erlöser, der sein Volk mit Gott versöhnt hat. Er herrscht über seine Gemeinde so, dass ohne seinen Willen kein Haar von dem Haupt seiner Nachfolger fallen kann. Er verteidigt uns gegen alle jene Mächte, die uns von ihm trennen wollen. Durch sein Wort erleuchtet er uns, dass wir der Lüge und dem Irrtum des Satans widerstehen können. Das sollte uns angesichts unserer Sünden und aller Schwachheit ein gutes Gewissen geben und angesichts aller äußeren Anfechtung getrost sein lassen: Denn sein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Herzliche Segenswünsche und eine besinnliche Adventszeit,
Euer / Ihr
Frank Bernhardt

 

 

 

 

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