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„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

                                                                                                      
Johannes 1,14

Liebe Geschwister und Freunde!

Dieser Vers ist einer der wichtigsten in der ganzen heiligen Schrift. Er macht ganz grundlegende Aussagen zu der Frage, wie Gott sich offenbart hat. Das Wunder, das sich mit der Menschwerdung des Gottessohnes ereignet hat, ist denn ein wahrhaft würdiger Anlass, in der kommenden Adventszeit daran erinnert zu werden und am Heiligenabend der Geburt unseres Herrn Jesus Christus zu gedenken. „Im Anfang war das Wort“, mit diesem bekannten und inhaltsschweren Satz beginnt das Johannesevangelium. So beginnt auch der Schöpfungsbericht und mit ihm die Heilige Schrift
(1.Mo 1,1). Im Schöpfungsbericht erfahren wir, dass Gott die Welt durch sein Wort erschuf. Es ist ein Ausdruck der Macht und des Vermögens Gottes. Gott hat gedacht, geplant und dann geredet, und vor aller geschaffenen Wirklichkeit steht das Denken und Reden Gottes.

Indem der Apostel Johannes hervorhebt, dass durch Jesus alle Dinge geschaffen wurden, macht er deutlich, dass Jesus Schöpfer ist wie Gott, der Vater, dass er in gleicher Weise Schöpfermacht hat wie der Vater. Wir haben hier eine der wenigen Schriftstellen, an denen Jesus von Ewigkeit her direkt als Gott bezeichnet wird, als der Sohn Gottes. Indem unser Herr Jesus als „Wort“ bezeichnet wird, wird deutlich, dass er das ist, was Gott zu sagen hat, ja, dass er zugleich Offenbarer und Offenbarung Gottes ist. Das aber bedeutet, dass an keiner Stelle in der ganzen biblischen Offenbarungsgeschichte mehr von Gott sichtbar wurde als in der Person Jesu von Nazareth. Was Gott durch ihn von sich bekanntgemacht hat, wird durch nichts übertroffen. Wer also Gott, den einen und wahren Gott, den Schöpfer aller Dinge kennenlernen möchte, der wird an Jesus verwiesen. Paulus sagt von ihm: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm“ (Kol 1, 15-17).

 „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“. Mit diesen Worten beschreibt Johannes die Brücke zwischen der unsichtbaren und der sichtbaren Welt, zwischen Gott und den Menschen. Johannes stellt fest, was anhand der Jungfrauengeburt offenbar wird, nämlich dass eben das Wort, der Sohn Gottes, der von Anfang an war, in die Welt gekommen ist. Das bedeutet, dass sowohl das Baby von Bethlehem, als auch der Zwölfjährige, der im Tempel von Jerusalem mit den Schriftgelehrten diskutierte, als auch derselbe Jesus aus Nazareth, der als Rabbi mit seinen Jüngern durch Judäa und Galiläa zog, Gott selbst ist, Gott als Mensch, und ohne Sünde.

Johannes will mit dem Wort "Fleisch" deutlich machen, wie völlig das ewige Wort in unser ganzes Menschsein eingegangen ist. Darum ist auch jede Wendung vermieden, die ein bloßes "Anziehen“ des Fleisches bezeichnen könnte. Aus diesem Grund konnte man unseren Herrn Jesus sehen in seiner Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. So konnte Johannes das ganze Evangelium im "Wort von der Fleischwerdung" aussprechen. Er zeigt uns, wie nicht erst im Kreuzesgeschehen, sondern schon in diesem ungeheuren Schritt Gottes hinein in das Fleisch unsere Erlösung begründet ist. Denn das Wort Gottes kam nicht nur gedankenmäßig, sondern menschlich in unsere Mitte, in Jesus Christus unserem Herrn. Dabei ging es ihm allein darum, wieder und wieder in den Zeichen und Wundern, aber auch in seiner Predigt und vor allem in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen die Herrlichkeit Gottes kundzutun. Das war der entscheidende Satz am Anfang des Evangeliums. Da Jesus Mensch geworden ist, konnte überhaupt das "Evangelium" geschrieben werden, konnte Johannes einen geschichtlichen Bericht von Jesus geben. Man konnte ihn also sehen, anfassen und mit ihm sprechen, und es wurde möglich, dass man auch von ihm reden konnte. Der erste, der darauf hinwies, war Johannes der Täufer, mit seiner Predigt über Jesus. Dann haben die Apostel und ihre Schüler von Jesus Zeugnis gegeben. Wir haben ihr Zeugnis im Neuen Testament, welches uns durch die Wirkung des Heiligen Geistes in den die biblischen Autoren auch wahrhaftig und zuverlässig von Jesus berichtet.

Das ewige Wort des Vaters, das nun "unter uns wohnte", ist die Erfüllung dessen, was in der Geschichte Israels abgebildet wurde (2.Mo 25,8), wie der prophetischen Weissagung (Sach 2,14), um wiederum auf der neuen Erde seine letzte ewige Erfüllung zu finden. Gott wohnte schon im Offenbarungszelt und in seinem heiligen Tempel unter seinem Volk. Nun wohnt er in Jesus unter uns. Hier offenbart sich, dass Jesus der wahre Tempel ist und wir in ihm die Herrlichkeit Gottes finden.

Darum bezeugte Johannes auch "Und wir schauten seine Herrlichkeit." Seine göttliche Herrlichkeit schauten Johannes und seine Freunde in Jesus, obwohl er Fleisch war, dieser wirkliche, leidende, sterbende Mensch. Ja, sie lernten von Jesus selbst, gerade in seiner Niedrigkeit seine Herrlichkeit, in seinem Kreuz seine Erhöhung (Joh 3,15) zu sehen, "eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit." Die Herrlichkeit Gottes, vor der selbst die heiligen Engel ihr Angesicht verhüllten, weil sie sie nicht ertragen konnten, wurde nun für alle Menschen sichtbar. Sie konnten die Herrlichkeit Gottes in dem einzigen Sohn Gottes, der in einem einzigartigen Verhältnis zu Gott dem Vater steht, erkennen. Johannes sah in all' seinen Worten und Taten seine Herrlichkeit.

Johannes lässt sie uns Kapitel um Kapitel schauen, damit auch unser Glaube selber etwas von dem sieht, dem er sich für Leben und Sterben anvertraut. Darum soll und darf die Gemeinde aller Zeiten ebenfalls bekennen: "Wir schauten seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit wie eines einzigen Sohnes vom Vater." Johannes fügt hinzu: "voller Gnade und Wahrheit".  Als Mensch zu uns zu kommen, damit wir ihn in seiner Herrlichkeit schauen und ertragen können, das ist "Gnade". Johannes schildert die gnadenvolle Bewegung Gottes von oben nach unten.

Darin besteht also Gottes Herrlichkeit. Unserer angeborenen Art entsprechend verstehen wir unter Herrlichkeit die Entfaltung von Macht, Glanz und Größe. Aber schon im Alten Testament wird deutlich, dass Gottes eigentliche Herrlichkeit ganz anderer Art ist, er geht den Weg nach unten. Er ist "der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs". Er erwählt sich das kleine, zertretene Israel und erweist schon hier seine "Torheit" und "Schwachheit" (1.Kor 1,25) als seine göttliche Größe und Kraft.

Das alles ist lauter Gnade. Auch die Wahrheit gehört dazu. Was fest und zuverlässig ist und uns darum nicht täuscht und enttäuscht, das ist "wahr" und "Wahrheit". Die Gnade in Jesus ist echte Gnade, auf die wir uns völlig verlassen dürfen. Wahrheit ist die echte Wirklichkeit im Gegensatz zu allem Schein und aller Entstellung der Wirklichkeit in der Lüge Satans. Die Wahrheit tritt in Jesus Christus hervor. In ihm ist alles lauter göttliche Wirklichkeit. So gehören Gnade und Wahrheit immer eng zusammen. Erst in der rechten und vollen Erkenntnis Jesu kann unser Glaube fest und gewiss werden. Es ist ja der Glaube, das feste Vertrauen auf die Zusagen, die Gott durch Jesus gemacht hat, der uns Christen auszeichnet (Hebr 1,1). So konnte Johannes bezeugen: „Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1,16-17) Gnade – das ist Gottes unverdiente Freundlichkeit gegenüber dem sündigen Menschen. Das ist die frohe Botschaft, das Evangelium, das in diese Welt mit der Geburt unseres Herrn Jesus Christus gekommen ist. Es ist Kraft Gottes, die in der Verkündigung zum Heil die selig macht, die daran glauben (Röm 1,16). Darin offenbart sich die Gerechtigkeit Gottes (Röm 1,17), die mit dem Sünder ins Gericht geht und ihn gleichzeitig durch den Glauben an Jesus Christus gerecht spricht.


Herzliche Segenswünsche und eine besinnliche Adventszeit,

Euer / Ihr

Frank Bernhardt

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