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So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, daß er klug sei und mich kenne, daß ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.
 

Jeremia 9, 22-23

Liebe Geschwister und Freunde!

Stolz ist eine in der Tiefe des menschlichen Herzens verwurzelte Eigenschaft. Wann immer wir meinen, etwas Besonderes geleistet zu haben, kommt das Gefühl des Stolzes in uns auf. Es ist sicherlich nicht verwerflich, ein gutes Gefühl zu haben, wenn wir eine Sache erfolgreich erledigt haben.
Anders liegt die Sache, wenn sich der Hochmut in Form von Selbstüberschätzung, Arroganz und Geringschätzung anderer bemerkbar macht. Der Hochmütige hat nicht nur eine hohe Meinung von sich selber, sondern er gibt auch seinen Mitmenschen zu verstehen, dass er mehr ist und kann als sie. Folglich hängt dann auch das Herz an dem, worin man "besonders gut" ist und andere möglichst überragt, und ist natürlich auch bereit, in diese Fähigkeiten Zeit, Kraft und Geld zu investieren.

Die Gefahr ist groß, dieses Denken auch auf unsere Beziehung zu Gott zu übertragen. Wir möchten mit dem, was wir tun, Gott beeindrucken, ja, Gott beweisen, dass wir es wert sind, von ihm akzeptiert zu werden. Doch wir müssen einsehen, dass Gott in dieser Sache ganz anders denkt. Schon in den Sprüchen lesen wir: „Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall“ (Spr 16,18). Gott sieht nicht auf das, was wir an Großartigem bieten können. Er ist nicht auf unser Engagement, unseren guten Willen und Beitrag  angewiesen, denn eine Gerechtigkeit, die vor Gott gelten soll, ist unvollkommen, wenn sie mit der eigenen Leistung des Sünders vermischt wird. Gott sagt Nein zu allem, was uns wichtig ist und worauf wir bauen, um vor Gott recht zu sein.

Andererseits sagt Gott nicht Nein zu einem Rühmen, das nicht auf den sündigen Menschen, sondern auf Gott ausgerichtet ist. Das also ist die rechte Klugheit, das rechte Wissen: Gott zu erkennen als den, der die Welt zurechtbringt, ja, der sie in seinem Sohn Jesus Christus rettet. In dieser Erkenntnis Gottes haben wir das ewige
Leben, wie es unser Herr Jesus in seinem hohepriesterlichen Gebet sagt (Joh 17,3).

Gott bindet das Heil daran, dass wir durch Gottes Wort Gott selbst erkennen, dass Evangelium verstehen und den Zusagen Gottes glauben. So können wir wegsehen von uns selber, von unserem Zustand, von unserer seelischen Befindlichkeit und von unserem ganzen gebrochenen und von der Sünde gekennzeichneten Leben. Ausdrücklich sagt auch der Prophet Jesaja: „Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden“ (Jes 53,11). Hier sehen wir, wie wichtig es ist, Gott zu erkennen, wobei er als solcher erkannt werden will, „der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden.“

Das bedeutet, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus die Gerechtigkeit geschaffen hat, in dem er uns errettete. Jesus hat mit seiner Tat, mit seinem stellvertretenden Leiden und Sterben das getan, was kein anderer Mensch tun konnte, nämlich die Strafe für unsere Sünden  getragen. In ihm hat Gott alles das, was er nach Recht und Gesetz von uns forderte, erfüllt. Da Jesus der Sohn Gottes ist, darum ist seine Gerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit, und zwar ganz und vollkommen. Das zu erkennen und darauf zu vertrauen, dass ist das ewige Leben. Der Glaube ist es, der die Gerechtigkeit Gottes in Jesus Christus recht empfängt.

Wir wollen an dieser Stelle auch beachten, dass in Jesus Christus Gottes Gerechtigkeit und seine Barmherzigkeit zusammengehören. Denn aus lauter Barmherzigkeit hat Gott das Elend von Sündern zu seinem eigenen gemacht. Er sah sehr wohl, dass die Menschen in ihren Sünden ewig verloren sind und wollte das nicht einfach hinnehmen, obwohl es doch ganz und gar seinem Recht entsprochen hätte, sie auf ewig zu verdammen.

Gott tut wirklich nichts Unrechtes, wenn er einen Menschen in seiner Sünde verlorengehen lässt. Aber weil er die Menschen liebt, darum nimmt er es selbst in die Hand und schafft in seinem Sohn das Heil der Welt. Er verfügt es, das Jesus als Stellvertreter das Gerichtsurteil Gottes auf sich nimmt, dafür leidet und stirbt und dann von den Toten aufersteht. Mit anderen Worten, der Erlöser lebt und regiert nun in Ewigkeit. In ihm finden wir die Barmherzigkeit Gottes ebenso wie seine uns geschenkte Gerechtigkeit.

Der Apostel Paulus schreibt an die Korinther: „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“ (1Kor 1, 30-31).
Er hat dabei die Tatsache vor Augen, dass Christus der Stellvertreter ist, und dass alle, die an ihn glauben, „in ihm“ sind. Im Übrigen zeigen die vier Begriffe Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung auf vier Aspekte des Heils in Christus, und es ist richtig, dass, was sie bezeichnen, allesamt in ihm zu suchen. Wer also wissen will, ob er wirklich ein Heiliger ist, der darf nicht auf sein Tun oder Erleben schauen, sondern sollte erkennen, dass er in seinem Stellvertreter Christus vollkommen geheiligt ist.

Im Licht der Erkenntnis Gottes in Christus werden wir auch uns selber recht erkennen. Wir werden im Licht der biblischen Verkündigung uns als Geschöpf Gottes erkennen und unsere Verantwortung vor Gott. Wir werden im Licht des Gesetzes Gottes unsere Sündhaftigkeit erkennen und unsere Sünden eingestehen. Wir werden aber vor allem Gott seinen Sohn Jesus Christus erkennen und ihm rechtgeben in dem, was er sagt. Das heißt nun, dass Jesus Christus der Inhalt der christlichen Erkenntnis ist. Ihn zu kennen und zu verstehen, dass er alles für uns getan hat und darauf zu vertrauen, das bedeutet, in ihm Gerechtigkeit, Vergebung der Sünden und ewiges Leben zu haben.

Wenn wir das recht erkannt haben, dann werden wir nicht mehr auf unsere eigenen Leistungen bauen und uns mit diesen vor Gott empfehlen, sondern uns allein Gottes rühmen, für das, was er uns aus Gnade gegeben hat. Wie kein anderer hat Paulus deutlich gemacht, dass wir uns nicht selbst empfehlen sollen, sondern uns Gottes rühmen sollen (Röm 5, 11). Und im Brief an die Korinther nimmt er das Wort Jeremias aus unseren Versen auf (2.Kor 10, 17-18). Es muss uns also klar sein, dass es gerade Gottes Tat in Christus ist, die uns veranlasst, sich seiner zu rühmen.

Darüber hinaus geht es nicht nur darum, sich selbst nicht zu rühmen, sondern sich auch an keinen Menschen zu hängen. Sich eines Menschen zu rühmen ist dumm. Selbst wenn diese noch so bibeltreu und geistlich sind – was sind sie schon? Sie sind nur vergängliche, fehlbare und sündige Menschen. Sie können niemanden retten. Deswegen schlussfolgert Paulus: „Darum rühme sich niemand eines Menschen; denn alles ist euer: Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges, alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“ (1.Kor 3, 21-23).

Bei all dem also, was Gott in Christus getan hat, dass er sich in einer Jahrtausende langen, Geschichte offenbart hat, dass er in seinem Sohn erschienen ist und in ihm die Welt erlöst hat, müssen wir mit dem Propheten ausrufen: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig!“ (Micha 7,18). Es ist klar: Nirgendwo sonst ist ein solcher Gott! Wollen wir uns neu glücklich schätzen, ihn zu kennen und uns seiner zu rühmen!

Herzliche Segenswünsche
Euer / Ihr
Frank Bernhardt

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