Aktuell
So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als
Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig,
sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Epheser 5,15-17
Liebe Geschwister und Freunde!
Wir haben das Heil in diesem Leben nur durch den Glauben und bedürfen der Anleitung im Blick auf das, was wir tun sollen. Was das bedeutet, steigt nicht als geistlicher Eindruck aus unserem Inneren auf, sondern das sagt uns die Heilige Schrift. Sie sagt es in grundlegenden Sätzen und wir sind aufgefordert, die biblischen Leitlinien auf unser Handeln anzuwenden. Deshalb spielt das prüfende Erwägen, was denn Gottes Wille in einer konkreten Situation ist, eine sehr wichtige Rolle in unserem Leben.
Der Apostel Paulus macht uns deutlich, dass wir nicht aufgrund einer plötzlichen Ahnung oder eines Gefühls heraus erkennen, was wir tun sollen. Wir stehen dann in der Gefahr, unweise zu handeln. Vielmehr spricht der Apostel Paulus von einer Haltung, die sich im Blick auf unser Verhalten von der Überlegung leiten lässt, ob dies oder jenes, was man zu tun gedenkt, vor Gott recht ist oder nicht. Darauf gilt es sorgfältig ("akribisch") zu achten. Zum einen, damit wir in bestimmten Situationen spontan als solche handeln können, "die geübte Sinne haben, Gutes und Böses zu unterscheiden" (Hebr. 5,14) und auch das, was sich als vorteilhaft tarnt, durchschauen. Dieses klare Urteilsvermögen gewinnen wir, wenn wir mehr und mehr gegründet sind in den Wahrheiten der H. Schrift. Hier haben wir die Richtschnur für ein lebendiges Glaubensleben, täglich begleitet vom Gebet, wie es z.B. der Psalmist praktizierte: "Herr, zeige mir Deine Wege und leite mich Deine Steige" (Ps. 24,4).
Neben den Situationen, die ein spontanes Handeln und Reagieren von uns fordern, gibt es Entscheidungen, von denen wir im Voraus wissen, dass wir sie zu treffen haben. Auch hierbei spielt die Erkenntnis des Weges, den wir nach Gottes Willen gehen sollen, die entscheidende Rolle. Sie wird uns im einsamen Nachdenken über Gottes Wort, in den Bibelstunden, in der Verkündigung des Wortes Gottes, zuteil. Nur von daher kann in der Welt des Alltags, des Berufs und des Kontaktes mit solchen, die nicht an Christus glauben, die Verwirklichung unseres Glaubens sorgfältig und treu erfolgen. Nur so kann in diese Gott entfremdete Welt das in Gedanken, Worten und Handlungen hineingetragen werden, was vor Gott recht ist. In jeder Lage unseres Glaubenslebens geht es um ein genaues Hinschauen ("sehen") auf das "wie" als Antwort auf die Frage "Herr, was willst Du, was ich tun soll?" und dem entsprechenden sorgfältigen Wandel. Erkenntnis und Wandel gehören zusammen, um als "Weise" und nicht als "Unweise" unser Leben zu führen.
Zu dieser Sorgfalt ermahnt der Apostel Paulus uns durch den H. Geist angesichts der Tatsache, dass wir in einer bösen Zeit leben, in der "der Böse" die Menschen ständig zum Widerstand gegen Gottes Autorität und Liebe antreibt. Wie entscheidend wichtig ist des darum, "die Zeit auszukaufen", d.h., die uns von Gott geschenkten Gelegenheiten zu nutzen, um sie mit dem Willen Gottes zu konfrontieren. Wir wissen nicht, wieviel Zeit uns dafür noch zur Verfügung steht, zumal Gottes Wort uns bezeugt, dass kurz vor der Wiederkunft Jesu eine Verschlimmerung der Zustände in dieser Welt eintreten wird. Das bedeutet für die Gemeinde Jesu eine zunehmende Verfolgung von Seiten der Welt und ihrer Herrscher.
In diesem Zusammenhang ist die Frage von Bedeutung, womit wir unsere eigene Zeit im Lichte der Ewigkeit verbringen. Thomas Manton sagt dazu: "Uns soll Rechenschaft abgefordert werden von dem, was wir mit unserer Zeit, unseren Talenten, Vermögen und Gelegenheiten getan haben: "Wenn der Herr kommt, wird er das Seine mit Zinsen fordern."
Darum fordert Paulus uns dazu auf, nicht unverständig zu sein und zu verstehen, was der Wille des Herrn ist. Denn überall lauert das Verderben, überall besteht die Möglichkeit, dass wir auf einen falschen Weg kommen und dass wir von dem schmalen Grat des Gehorsams aus dem Glauben abkommen. "Unverständig sein", das ist kein Mangel an Schlauheit, an Begabung, das ist vielmehr Mangel an Gehorsam, der eine Frucht des uns durch den Glauben zugerechneten Gehorsams Christi (Glaubensgerechtigkeit) ist. Was das im Einzelnen bedeutet, können wir dem Zusammenhang entnehmen.
Paulus ist Realist und weiß, wie die Dinge in der Wirklichkeit aussehen. Wie oft - und das ist erschreckend - schleicht sich, speziell auch im Dienst für unseren Herrn, unser Eigenwille ein. Nur der göttliche Wille ist größer und mächtiger als der Wille unserer angeborenen egozentrischen Natur, und im Verstehen dieses göttlichen Willens und seiner Kraft liegt die Möglichkeit einer verständigen christusorientierten Lebensführung.
Das Erkennen des göttlichen Willens geschieht anhand der zehn Gebote und ihrer Handhabung im Gesetz des Mose und der aus ihnen abgeleiteten Ermahnungen / Ermutigungen des Neuen Testamentes. Besonders auch die Weisheitsliteratur des AT. (Bücher der Sprüche und des Predigers) ist voller Ermahnungen, die bösen, eigenwilligen Wege, die ins Verderben führen, zu meiden und den verständigen Weg der Weisheit zu suchen.
Ebenso zeigen uns die Geschichten des Alten Bundes und die Biographie der Menschen, die Gott geglaubt haben, wie ein Leben im Glauben aussehen kann, einmal abgesehen von den Zeichen und Wundern, die geschehen sind, und den verschiedenen kultischen Vorschriften, die für die Gemeinde Jesu nicht mehr verbindlich sind. Insbesondere aber können wir an unserem Herrn Jesus lernen, was es heißt, im Glauben zu leben. Seine Gesinnung wird uns ausdrücklich als Beispiel vor Augen gestellt, wenn es heißt: "Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht" (Phil. 2,5). Da wir unser Leben als Christen, die damit geschenkte Weisheit und Besonnenheit, unser Engagement und unseren Erfolg uns nicht selbst zuschreiben dürfen, sondern Gott allein, gebührt auch ihm allein unsere ständige und bleibende Danksagung (K. 5,20).
Herzliche Segenswünsche
Euer / Ihr
Frank Bernhardt