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Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. Zion aber sprach: Der HERR hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.“

                                                                                                     Jesaja 49,13-16

 Liebe Geschwister und Freunde!

Wir verstehen den einleitenden Vers „Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde!“. als eine Aufforderung zur Freude über das Kommen Jesu in die Welt, welches wir an Weihnachten gefeiert haben. Das 49. Kapitel des Propheten Jesaja beginnt mit einem der bekannten Abschnitte vom Gottesknecht. Das Kapitel ist ganz klar eine Weissagung auf Christus hin (Jes 49,6-8). In diesen Worten ist von der weltweiten Wirksamkeit des Gottesknechtes die Rede, also vom Werk unseres Herrn Jesus Christus, das auch den nichtjüdischen Völkern gilt. Weiter ist davon die Rede, dass in dem Gottesknecht der Bund bestehen wird, in dem das Volk Gottes künftig leben kann, und dass Gott seinen Knecht für dieses Ziel erhört und bewahrt.

 Wenn Jesaja im Anschluss daran weissagt, dass die Glieder des Volkes Gottes aus der Gefangenschaft frei werden und aus den verschiedenen Himmelsrichtungen kommen, dann weisen auch diese Aussagen über die Rückkehr Israels aus der Babylonischen Gefangenschaft hin auf die weltweite Sammlung des Volkes Gottes in der Gemeinde Jesu. Diese kommt, wie der Verfasser des Hebräerbriefs sagt, nicht zu einem vergänglichen, irdischen Jerusalem, sondern zum himmlischen Jerusalem (Hebr 12,22), mithin also zu der wirklich ewigen Stadt, deren Mauern beständig Gott vor Augen stehen. So wird auch klar, dass wir diesen Vers mit Recht im zeitlichen Zusammenhang der Geburt Jesu betrachten.

Schon die Tatsache, dass hier Himmel und Erde aufgefordert werden zum Jubel über Gottes Plan, zeigt uns, dass das Werk, das Gott tun würde, eine weltweite, ja das ganze Universum betreffende Bedeutung haben würde. Wir Gotteskinder in der sichtbaren Welt, sowie diejenigen, die bereits heimgegangen sind und nun bei unserem Herrn sind, aber auch die Engel sollen Freude haben am Werk Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Schauen wir in die Geschichte des alttestamentlichen Gottesvolkes, dann hat dieser Trost durchaus darin seine Gestalt, dass die Babylonische Gefangenschaft nach siebzig Jahren ein Ende fand.

Es blieben aber auch viele in Babel; sie hatten sich dort eingerichtet und meinten, sie könnten dort gut leben. Aber jene, die ein Interesse hatten am Tempel und am Opfer, denen die Zusagen Gottes etwas bedeuteten, zogen es vor, auf die Reise zu gehen zurück in ihr angestammtes Land. Sie wollten in dem Land wohnen, das Gott seinem Volk zugesprochen hatte. Sie kehrten zurück und freuten sich, wieder in der Heimat zu sein. Doch damit waren die großen Probleme des Volkes Gottes noch nicht gelöst. Der verheißene Gottesknecht war noch nicht da, und die große Erlösung war auch noch nicht geschehen. Der Tempelbau zog sich hin. Feinde bedrängten sie. Im Grunde blieb alles beim alten. Die Menschen taten immer noch Böses und ihre Sünde belastete das Miteinander, die Völker führten immer noch Krieg, und das jüdische Volk wurde zum Spielball der heidnischen Großmächte. Das Königshaus von David gab es nicht mehr und die Gerechtigkeit und der Friede Gottes schienen so fern wie nie zuvor.

Das sollte sich durch Jesus Christus ändern, denn er wird als der Trost Israels bezeichnet (Lk 2,25). Allerdings tröstet und errettet Gott in Jesus Christus sein Volk auf eine andere Weise als es den Erwartungen der Juden entsprach. Wie alle Menschen wollten auch die Juden damals eine Erlösung von den unmittelbar empfundenen irdischen Übeln und ein Leben in Freiheit und nationaler Selbstbestimmung. Doch diese vordergründigen, diesseitigen Erwartungen bediente Gott nicht, so wenig er unsere irdischen Wohlfühlbedürfnisse befriedigt.

Seine Absichten sind breiter und umfassender. Er therapiert nicht nur die Symptome, sondern geht an die Ursachen heran. Die aber liegen alleine in der menschlichen Sünde. Diese ist ja die Ursache allen Übels. Sie ist der Grund für Leid und Tod, sie ist die Ursache all des Bösen, das Menschen einander antun. Gottes Antwort auf die menschliche Sünde ist die Versöhnung im Sühne-Tod Jesu Christi und seiner stellvertretenden uns zugerechneten Gerechtigkeit. In ihm schafft Gott zuerst und vor allem den Frieden, den der sündige Mensch mit Gott haben kann und soll. Um Christi willen kann Gott also den Menschen seine Gnade erweisen.

Er vergibt ihre Sünden, wenn sie denn Buße tun, spricht sie gerecht, macht sie zu seinen Kindern und Erben und gibt ihnen eine Hoffnung, wie sie niemand sonst in der Welt versprechen, geschweige denn geben kann. Das aber ist mehr als Menschen erdenken können, und darüber hinaus auch grundlegend, auch wenn in den Jahrhunderten der Kirchengeschichte noch vieles beim alten geblieben ist. Gott ist eben geduldig. Er will sich durch die Predigt des Evangeliums von Jesus Christus sein weltweites Volk sammeln. Tatsache ist, dass mit dem Tod Jesu die Welt mit Gott versöhnt ist, und dass durch die Auferstehung Jesu eine Hoffnung begründet ist, die über die gegenwärtige, kaputte und vergängliche Welt hinausweist. Das ist die frohe Botschaft, die wir verkündigen dürfen.

Was wäre gewesen, wenn Christus nicht gekommen wäre? Er wäre dann im Himmel geblieben und hätte die Welt sich selbst überlassen. Er hätte seine Herrschaft zum Heil nicht angetreten. Er hätte die Menschen ihrer gerechten Strafe für ihre Sünden, dem ewigen Tod, der Trennung von Gott auf ewig, überlassen. Alle Menschen wären der ewigen Verdammnis preisgegeben, somit auch wir. Die Welt aber wäre nicht nur in der Hoffnungslosigkeit, sondern auch in der Unsittlichkeit des Heidentums versunken; die Menschen wären in den Sünden ertrunken (Röm 1).

Aber weil Christus gekommen ist, konnte nicht nur im jüdischen Volk, sondern unter allen Völkern der Welt wieder Hoffnung aufkeimen, dass unter Christus nicht nur der Sünde gewehrt wurde, sondern dass es auch am Ende der Geschichte, bei der Wiederkunft Christi, eine wirklich ganz neue Welt ohne Bedrohung, Leid, Krankheit und Tod geben würde. Deswegen haben wir auch allen Grund uns darüber zu freuen, wie uns der Prophet Jesaja auffordert. Durch das Evangelium wissen wir, was Jesus Christus alles für einen jeden von uns getan hat.

Nun mag es sein, dass es uns geht wie den Juden in Babylon, dass wir als Gotteskinder in dieser Welt ebenfalls die Diskriminierung, die gesellschaftliche Abschiebung ins Abseits, den Verfall oder die Zerstörung unserer Gemeinden, Vertreibung, Gefängnis und vielleicht sogar den Tod um Christi willen beklagen müssen. Doch Gott sagt dazu, dass er uns nicht vergessen will und dass wir in seine Hände gezeichnet sind. Mit diesem sehr anschaulichen Bild macht Gott uns doch sehr deutlich, dass er sein Volk keineswegs vergisst. Man könnte auch sagen "Ich habe dich gezeichnet." Seht und betrachtet diese Fülle der Worte! 

Das heißt nichts anderes als: „Ich habe dich persönlich, dein Bild, dein Anliegen, deine Verhältnisse, deine Sünden, deine Versuchungen, deine Schwachheiten, deine Bedürfnisse, deine Werke in meine Hände "eingegraben"; ich habe dich gezeichnet, alles, was dich angeht, alles, was dich berührt; ich habe dich ganz hierher gesetzt.

Willst du nun je wieder sagen, dass dich dein Gott verlassen habe, wenn du in Not oder Anfechtungen bist? Dann erinnere dich daran, er hat uns in seine eigenen Hände gezeichnet!

Die Einsicht, dass Gott die Seinen kennt, ist also sehr tröstlich für uns, wann immer unser Glaube in Frage gestellt wird. Was damals in der Zwiespältigkeit der irdischen Geschichte geschah, war nur ein Schatten dessen, was einst in großer Klarheit geschehen wird. Gott ist der Erbauer des neuen, himmlischen Jerusalem.

Diese Stadt ist das große Ziel von uns allen. So wie Abraham an Gottes Gerechtigkeit in Christus durch den Glauben teilhatte, kommen nur solche in diese Stadt  hinein, die dem Evangelium glauben und durch das Blut Christi von ihren Sünden gewaschen und mit der Gerechtigkeit Jesu gekleidet sind. Wir, denen Gott in seiner Gnade diese Erkenntnis und den Glauben an die damit verbundenen Verheißungen für die Zukunft geschenkt hat, dürfen sorglos in das neue Jahr gehen. Wir sind in die Hände unseres himmlischen Vaters gezeichnet. Er steht zu seinen Verheißungen für immer. Er versagt uns seine Hilfe nie; er ist ein nie versiegender Born!

Herzliche Segenswünsche und ein gesegnetes neues Jahr,

Euer / Ihr

Frank Bernhardt

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