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„Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“
                                                                                               Markus 12, 29-31 
Liebe Geschwister und Freunde!

Die Antwort Jesu auf die Frage nach dem größten Gebot beinhaltete nichts, was für jüdische Ohren neu gewesen wäre. Neu war allerdings, dass Jesus die Nächstenliebe auf die gleiche Ebene stellte. Jesus stellte mit seiner Antwort klar: Die Gottesliebe ist mehr als nur tote Gesetzeswerke und formale Buchstabentreue. Gottesliebe bedeutet, Gott wirklich über alles andere zu stellen. Damit wird ausgesagt: Unsere ganze Existenz, alles, was wir sind und haben, soll auf Gott ausgerichtet sein, für ihn da sein und ihn ehren. Alles andere muss dahinter zurücktreten: sei es unser Ehepartner, das Geld, die Arbeit, unsere persönlichen Lebensziele, ja unser Leben überhaupt. Alles und noch mal alles muss hinter der Gottesliebe zurücktreten. Gott will der Erste und der Letzte sein in unserem Leben.

Ihm sollte der erste Gedanke am Morgen gelten und der letzte am Abend und tagsüber soll sich nichts vor ihn schieben, was etwa wichtiger wäre. Darüber hinaus sollte sich die Gottesliebe auch ausdrücken in der Zeit, die wir ihm neben der alltäglichen Arbeit widmen. Liebe braucht Zeit für den, den man liebt. Das heißt: Zeit für das Bibelstudium, Zeit für das Gebet und Zeit für den Gottesdienst. Liebe zu Gott bedeutet auch, Arbeit und Geld für die Sache Gottes zu verwenden. Das alles sind wohl sehr hohe Forderungen. Man mag dem einen und anderen zugestehen, dass er Gott liebt, doch dann bleibt immer noch die Frage offen, ob er es in der geforderten Ganzheit tut, oder ob sich nicht doch andere Dinge zeitweilig oder ständig ins Bewusstsein schieben, die ihm wichtiger erscheinen als Gott. Nehmen wir z.B. die Sorge, wovon man in der Zukunft leben soll, sobald etwa der Arbeitsplatz gefährdet ist oder eine Krankheit einen Menschen schachmatt setzt.

Die Sorge macht sich über die wirtschaftliche Sicherheit im Herzen breit und die Liebe zu Gott verwandelt sich, vielleicht in Gleichgültigkeit, vielleicht auch in die offene Anklage: Warum lässt du es mir so schlecht gehen? Auf einen unsichtbaren Gott zu hoffen, der einen so furchtbar alleine lassen kann in dieser Welt, wie sollte das gehen? Und noch widersinniger erscheint dann die Forderung, einen solchen Gott zu lieben. Wir merken sehr schnell: Keiner von uns kann dieses Gebot erfüllen. Der jüdische Schriftgelehrte, an den unser Herr Jesus die Worte richtete konnte es nicht. Auch der Apostel Paulus und Luther mussten bekennen, dass sie im Lichte des Gesetzes elende Menschen waren, und auch keiner von uns wird Ja sagen können, wenn Gott ihn fragt, ob er ihn wirklich so liebt, wie es das Gebot fordert.

Die Liebe zu Gott ist alsdann mehr als ein Gedanke oder eine Herzenshaltung. Sie zeigt sich selbstverständlich auch in der Tat. Das aber bedeutet, dass derjenige, der Gott liebt, auch seinen Willen tut, und der Wille Gottes steht in den Zehn Geboten geschrieben. Die Gebote, die sich auf den Nächsten beziehen, lassen sich zusammenfassen im Gebot der Nächstenliebe. Der Nächste steht deswegen im Interesse Gottes, weil Gott auch ihn geschaffen und sein Leben gewollt hat, weil er ihn liebt.

Jesus stellt die Nächstenliebe direkt neben die Gottesliebe. Das bedeutet wiederum: Auch in Gestalt der Nächstenliebe zeigt sich die Liebe zu Gott. Unser Herr Jesus hat uns im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter ein Beispiel solcher Nächstenliebe gegeben (Lk 10,25-37). Der eine und andere unter uns wird sicherlich dem Nächsten Gutes tun, freundlich sein und darauf bedacht sein, Frieden zu halten. Vielleicht wird der eine oder andere seinem Nachbarn auch etwas von dem über den Zaun reichen, was im Garten gewachsen ist. Aber darin erschöpft sich die Nächstenliebe in der Regel. Den Nächsten lieben wie sich selbst? Wir erkennen, dass auch das eine hohe Forderung ist.

In unserer Gesellschaft besteht die Gefahr auch für uns, dass jeder zuerst an sich selber denkt. Denn von Natur aus ist unser Herz egoistisch. Dadurch scheitern wir oft in der Nächstenliebe, da haben wir den real existierenden Nächsten vor Augen – vielleicht die Ehefrau, die so gar nicht mehr den Erwartungen entspricht, den Ehemann, dessen Unarten so ärgerlich sind, den Kollegen, der nur sich selbst und seine Karriere kennt, den Nachbarn, der einen so ganz anderen Lebensstil pflegt – wie soll man solche Menschen lieben wie sich selbst?

Kurz gesagt, das von Jesus ausgewiesene Gebot der Nächstenliebe deckt unseren abgründigen Egoismus auf, in dem wir wohl uns selbst lieben, aber die gebotene Liebe zum Nächsten um des eigenen Vorteils willen unterlassen. Wir bemerken, dass das nicht der biblischen Botschaft entspricht. Wir haben das Gesetz Gottes gehört und uns vor Augen geführt, was der Wille Gottes ist. Doch was nützt es, wenn niemand dem Willen Gottes entspricht? Wie gehen wir also mit der Forderung nach der Gottes- und Nächstenliebe um?

Schon im Alten Testament macht Gott deutlich, dass die Liebe zu ihm und zum Nächsten aus der Erkenntnis Gottes erwächst. Wenn ich jemanden liebe, dann deswegen, weil ich weiß, wer und was er ist und welchen Wert die betreffende Person für mich hat. Gott lieben kann man nur, wenn man ihn kennt. Wie aber können wir Gott erkennen?  Schauen wir dorthin, wo er sich offenbart hat, auf Jesus Christus. Wenn Jesus in Mt. 9,13 sagt: "Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten", dann tun wir einen Blick in das Herz Gottes, von dem der Prophet Hosea bezeugt: "Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer." (Hos 6,6).

In Jesus Christus erkennen wir also das Wesen Gottes, das seinen Forderungen entspricht und dürfen davon ausgehen, dass Gott uns trotz unserer Schlechtigkeit mit derselben Barmherzigkeit liebt, die er von uns erwartet. Dabei erfüllt er sein Gebot der Menschenliebe auf eine ganz unüberbietbare Weise. Er sandte seinen Sohn, er opferte ihn zur Sühne für unsere Sünden, die wir ganz und gar verdorben sind und denen der Unglaube und die Feindschaft gegen Gott in ihrer Natur stecken. Gott selbst offenbart sich damit als ein solcher, der nicht nur seine Freunde liebt, wie wir es tun, sondern der auch seine Feinde liebt, indem er seinen Sohn für sie dahingab.

Damit nimmt unser Herr Jesus uns, die wir nichts vor Gott zu bringen haben, die wir nach wie vor Sünder sind, die weder Gott recht geliebt noch unseren Nächsten wie sich selbst geliebt haben, die Mühsal, uns vor Gott rechtfertigen zu müssen. Nun sind wir solche, die wir Gottes Liebe in Christus zu uns erkannt haben und darauf vertrauen, auch solche, die in Christus Gott lieben. Wir werden an ihm festhalten, wenn es uns gut geht und wir werden auch an ihm festhalten, wenn wir Mangel haben oder um unseres Glaubens willen diskriminiert oder gar verfolgt werden, und wir werden, sollte es dazu kommen, lieber unser Leben lassen als uns von Christus abzuwenden. Wir werden ferner mit der von Gott erfahrenen Barmherzigkeit durch den H. Geist auch die Liebe zu unserem Nächsten praktizieren, ihm vergeben und ihm Gutes tun, wenn es die Not erfordert.

Deshalb möge doch ein jeder sich zwei Dinge fragen: Erstens, ob er die Forderung des Gesetzes Gottes nach vollkommener Gottes- und Nächstenliebe verstanden hat und auch erkannt hat, dass er sie nicht erfüllt hat und auch nicht erfüllen kann. Zweitens, ob er Gott in Jesus Christus wirklich erkannt hat, und ob er dem Evangelium von Jesus Christus glaubt. In dieser doppelten Erkenntnis, in der Einsicht, dass Gott gerecht ist und wir vor ihm nur verlorene Sünder sein können, die seiner hohen Forderung auch nicht im Entferntesten entsprechen, und in der Einsicht, dass unser Herr Jesus mit seinem Kreuzestod Gottes Forderung an uns vollständig erfüllt hat, kommt uns unser Heil und die Teilhabe am Reich Gottes zu.

So wollen wir uns immer wieder von unserem Herrn Jesus her verstehen. Denn in ihm, nicht in uns selbst, haben wir alles, was das Herz Gottes erfreut.

Herzliche Segenswünsche

Euer / Ihr
Frank Bernhardt


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