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Dem aber, der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis
offenbart ist, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften der Propheten nach dem Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden: dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen.

                                                                                                                                                                                                                       Röm 16,25-27

Die Verse sind die Schlussworte des Römerbriefes, den der Apostel Paulus damals an die christliche Gemeinde in Rom geschrieben hat. Der Römerbrief ist zweifellos einer der wichtigsten Lehrbriefe im Neuen Testament, da er eine Auslegung des Evangeliums ist. Der Apostel geht darin auf viele Fragen ein, die das Verhältnis des Menschen zu Gott betreffen, sei dies die Sündhaftigkeit der Menschen, das stellvertretende Sühnopfer Christi, die Rechtfertigung durch den Glauben, das Leben in der Heiligung, die Geltung und Grenze des mosaischen Gesetzes, die Erwählung und die Stellung des jüdischen Volkes sowie eine Vielzahl von Fragen für unseren Lebenswandel als Christen.

Das Evangelium stellt also eine Ganzheit dar, und in dieser Ganzheit ist es die Kraft Gottes zum Heil für alle, die daran glauben, wie es Paulus im ersten Kapitel des Römerbriefes formuliert. In der rechten Predigt des Evangeliums steckt die Kraft Gottes, die einen Menschen zur Umkehr führen und zum Christen machen kann, und auch die Kraft, einen Christen im Glauben zu stärken und zu erhalten. Das sind die Inhalte, die Paulus vor Augen hat, wenn er am Schluss des Römerbriefes Gott das Lob ausspricht für alles das, was er im Evangelium für den Glauben bereitgestellt hat.

Die Wortwendung „Gehorsam des Glaubens“ besagt, dass der Glaube selbst Gehorsam ist. Wir dürfen also nicht in der Weise denken, als sei der Glaube nur eine Vorstufe für den dann folgenden Gehorsam, so als wäre der Gehorsam etwas, was vom Glauben unterschieden werden müsste. Der Glaube selbst ist Gehorsam, weil er auf das Wort Gottes hört. Wir hören Gottes Wort im Gesetz, das unsere Sünden aufdeckt. Wir sind gehorsam, indem wir Gott rechtgeben und unsere Sünden nicht leugnen, sondern sie bekennen. Wir dürfen das, was uns ein schlechtes Gewissen macht, vor Gott aussprechen. Dann aber hören wir das Evangelium von Jesus Christus. Darin zeigt uns Gott, dass er uns in Christus mit sich versöhnt hat und dass er uns um Christi Willen unsere Sünden vergibt und uns die Gerechtigkeit Christi voll und ganz zurechnet. So sind wir Gehorsam, indem wir darauf vertrauen, was das Evangelium uns sagt.

Das Wort, das Gehörte, aus dem der Glaube kommt, ist wie ein Schutzschirm, der uns dann bedeckt. Unter diesem Schirm haben wir Klarheit und Gewissheit über unseren Stand vor Gott. Mit den Zusagen der Vergebung der Sünden wird unser belastetes Gewissen getröstet.

Es ist keine Frage, dass der Glaube gute Werke tut, wenn er ein lebendiger Glaube ist. Die Werke kommen nicht zum Glauben hinzu, so als wären sie aus uns selbst getan. Die Werke gehören zum Glauben, sie sind Frucht des Glaubens, weil der Glaube nicht untätig sein kann. So zeigt sich denn der Gehorsam des Glaubens auch nach außen und er wird von anderen als solcher erkannt.
Von besonderer Bedeutung ist nun, dass Paulus es als seine Aufgabe ansieht, die Nichtjuden zum Glaubensgehorsam zu rufen. Es bedurfte für diesen offenbarungsgeschichtlichen Fortschritt einer besonderen Offenbarung, die gerade dem Apostel Paulus zuteilwurde, wie er an die Epheser schrieb (Eph 3,3.5-7). Hier wie an einigen anderen Stellen in seinen Briefen zeigt Paulus, dass dies etwas Neues ist, denn bis dahin hatte Gott nur das jüdische Volk als Bundesvolk. Das war etwas unerhört Neues, dass nach Christus nicht nur Juden, sondern auch Heiden Zugang zum Heil bekamen.

Für die Juden war das ein Ärgernis, denn es gehörte zu ihrem Selbstverständnis, das auserwählte Volk Gottes zu sein. Indem nun Heiden mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs in Gemeinschaft traten und indem diese nun als das auserwählte Volk, als "Volk des Eigentums“ bezeichnet wurden, war dieses Alleinstellungsmerkmal der Juden in sich zusammengefallen. Schon Abraham bekam die Verheißung: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ (1Mose 12,3). Diese Zusage wurde auch Isaak und Jakob gegeben. Damit ist klar, dass schon von alters her die nichtjüdischen Völker als Adressaten der gnädigen Zuwendung Gottes gelten würden.

Doch wie im Alten Testament wurden und werden nur diejenigen gerettet, die wie Abraham den Zusagen Gottes glauben, mithin also den Glaubensgehorsam aufweisen. Damit war vom Alten Bund her schon klar, dass längst nicht alle, die zum Volk Gottes gehörten, auch wirklich Anteil hatten am Heil Gottes. In die Tat umgesetzt aber hat Gott dies in der Mission der Apostel, und darum kann Paulus mit voller Rückendeckung durch das Alte Testament den Christen in Rom schreiben, dass auch sie berufen sind in Jesus Christus. Es gilt auch uns, und auch wir dürfen rechtmäßige Glieder des Volkes Gottes sein.

Dass Gott seinen Heilsplan für die Welt so eingerichtet hat, dass er nach der Vollendung seines Heilswerkes in Jesus Christus sein Evangelium ausgehen ließ in alle Welt, das zeigt, dass Gott am Werk war und damit die zahllosen alttestamentlichen Verheißungen im Blick auf die neutestamentliche Heilsordnung in Erfüllung brachte. Gott hat somit nicht nur geredet, sondern auch gehandelt. Das alles lässt uns die Weisheit Gottes erkennen. Diese Weisheit ist zweifellos einzigartig. Gott, der Vater Jesu Christi, hat es vermocht, seine strafende Gerechtigkeit und seine erbarmende Liebe zusammenzubringen. Er hat dies getan in seinem Sohn Jesus Christus, der die Strafe für die Sünden der Welt auf sich genommen hat und gerade darin die Liebe Gottes zu den Menschen offenbart. Es ist darum nur konsequent, dass diesem Gott auch in Ewigkeit Ehre gebührt. Wir ehren ihn heute, indem wir ihn im Namen Jesu anrufen und seinen Ruhm verkündigen, bis in die Ewigkeit hinein.

Noch etwas Wichtiges wollen wir bedenken: In dem Segenswunsch zum Abschluss des Römerbriefes bezeichnet Paulus Gott als den, „der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus“. Das dürfte die Erwartung sein, die Paulus an seinen Brief an die Römer knüpft, nämlich dass Gott die Leser des Briefes, also auch uns, durch all die Einsichten und geistlichen Weisheiten, die er in dem Brief entfaltet hat, in der

Erkenntnis Gottes und im Glauben gewiss und stark macht. Die Lehre des Apostels Paulus weist ja gerade nicht auf den Menschen hin, auf seine Entscheidung, seine Fähigkeit und sein Vermögen, so dass dem Menschen auch noch ein bisschen Ehre und Anerkennung zukommen müsste.

Nein, Gott selbst schafft sich sein Volk. Er hat uns bekehrt und er selbst erhält uns dann auch im rechten Glauben. Er kann uns darin auch so stark machen, dass wir möglichen und tatsächlichen Widerständen standhalten, den zahlreichen Versuchungen zum Bösen nicht erliegen und im Glauben an Christus festhalten. Gott in seiner Weisheit vermag das alles, und er tut dies, indem er uns sein Wort verkündigen lässt, wie etwa durch den Römerbrief, und natürlich auch durch alle anderen Bücher und Briefe der Bibel.

Gerade in diesen Zeiten, wo tagtäglich die antichristliche Stimmung in der Welt zunimmt und die Corona Krise ihr übriges tut, kann ich jedem nur an's Herz legen, was absolut wichtig und nicht zu versäumen ist, nämlich Gottes Wort täglich zu lesen und die Versammlungen nicht zu verlassen, um im Glauben stets neu gestärkt und erquickt zu werden. So vertieft sich unsere Gewißheit, dass er über unserem Leben, unserem Glauben, unseren Gemeinden und unserer Welt steht, und dass er, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden, auch mit seinem Plan bei jedem einzelnen von uns zu seinem Ziel kommen wird.

Herzliche Segenswünsche
Euer / Ihr
Frank Bernhardt